„Hör auf das zu sagen...! “
Juni 2007
   
Ich bin eine Ordensfrau und arbeite im Vale Paraíba im brasilianischen Staat Sao Paulo. Die Begebenheit die ich erzählen möchte, passierte vor fünf Jahren. Als ich Miriam kennen lernte, war sie eine Prostituierte von 22 Jahren. Sie hatte zwei Töchter, die ältere war gerade zweieinhalb Jahre.

Eine unserer Arbeiten war es Prostituierten, die ein neues Leben beginnen wollten, zu helfen und so bat uns auch Miriam um Hilfe, denn sie wollte zurück zu ihrer Familie. Ihre „Chefin“ war da aber ganz anderer Meinung; falls sie diese „Dummheit“ begehen würde, würde die Chefin die beiden Töchterchen behalten – eine gute Investition in die Zukunft. Bevor wir irgendetwas unternahmen, sprachen wir über die hl. Engel und vertrauten ihnen diese Sorgen an.

Etwa drei Wochen später erhielt ich die Nachricht, dass Miriam wegen einer akuten Nierenkolik ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Als sie nach kurzer Zeit entlassen werden sollte, wollte sie die Gelegenheit nutzen und ihren Wunsch in die Tat umsetzen: Sie wollte fliehen und zu ihrer Familie zurückkehren – allerdings nicht ohne ihre Kinder. So bat sie mich, ich sollte die Kinder gegen Bezahlung einer Geldsumme aus ihrer Bleibe holen. Es würde schon gut gehen, meinte sie.

Als ich am nächsten Tag hinfuhr, vertraute ich nochmals alles den hl. Engeln an. Die „Chefin“ empfing mich ganz zornig und sagte, ich müsse an Stelle von Miriam hierbleiben. Jetzt würde sie mich erst einmal ausziehen und sich um mich kümmern, bis der „Boss“ komme und schon kamen einige „Mädchen“ und auch drei Männer auf mich zu.

Voll Inbrunst bat ich den hl. Engel, dass er mich beschützen und mit mir das „Sanctus“ beten möge. Ich betete mit leiser Stimme und fühlte mich sicher. Die „Chefin“ versuchte nach mir zu greifen, aber in einer Entfernung von etwa zwanzig Zentimeter blieb sie starr stehen – sie konnte sich nicht mehr bewegen. Sie schrie zornig, ich solle aufhören „das zu sagen“, denn „etwas“ halte sie fest. Während einer dreiviertel Stunde schrie sie und drohte, konnte sich aber nicht bewegen. Dann kam Hilfe und sie floh schreiend, ich solle aufhören „das zu sagen“. So konnten wir die Kinder aus diesem Ort bringen um sie ihrer Mutter zurückzugeben und so mitzuhelfen, dass sie ein neues Leben beginnen konnten.