Papst Gregor der Große und die Engelsburg
September 2010

Im Jahre 589 wütete in Rom als Folge von Naturereignissen eine heftige Pest, die Anfang 590 auch den Papst Pelagius II. erfasste und hinwegraffte; Nun wurde Gregor, der aus dem senatorischen Adel der Stadt stammte und Stadtpräfekt war bevor er Mönch wurde, zum Papst gewählt und erhielt später das Beiwort „der große“. Er regierte die Kirche überaus klug und weise.

Gregors des Grossen Gestalt ist nun gewissermaßen von Engeln umgeben, und man hat ihm sicher zu Recht den Titel «Doctor angelorum» («Lehrer der Engel»), beziehungsweise «Doctor coelestis militiae» («Lehrer der himmlischen Heerscharen») gegeben. So nannte ihn bereits sein erster Biograph Johannes Diaconus, der auch jene Episode aus dem Leben Gregors des Grossen erzählt, wie dieser beim Anblick der auf dem Sklavenmarkt feilgebotenen Angelsachsen und nach Beantwortung seiner Frage, welchem Volksstamm sie denn angehörten, ausgerufen haben soll: «Angeln, die engelgleichen. Erben der Engel sollen sie werden!» Schon seine Bestimmung zum obersten Hirten der Kirche soll dem hl. Gregor d. Gr. von einem Engel mitgeteilt worden sein; und als er sich nach erfolgter Papstwahl verbergen wollte, um dem schweren Amt zu entfliehen, habe eine über seinem Versteck aufleuchtende Lichtsäule, in der Engel auf- und niederstiegen, ihn auffinden lassen. Die erste Tat Gregors als Papst sei dann eine große Bittprozession durch die Strassen Roms um Abwendung der Pest, die dort im Jahre 590 noch immer wütete, gewesen. Dabei sei dem Papst eine Vision des Erzengels Michael zuteil geworden, der vom Himmel auf das Grabmal des Kaisers Hadrian herabstieg und ein blutiges Schwert in die Scheide steckte. Von da an habe die Pest aufgehört. Seither wurde das Mausoleum des Kaisers Hadrian «Engelsburg» («Castel Sant' Angelo») genannt.

Nach: Ferdinand Holböck, Vereint mit Engeln und Heiligen, 173