Der hl. Petrus möge uns einen Engel schicken
September 2011

Es war im April des Jahres 1945, sehr kalt und nass. Zu Tode erschöpft rasteten wir in der Nähe des Ammersees. 8000 Leute aus dem KZ Dachau mit grausigem Hunger, todmüde, die Füße voller Blasen. Eben wollten wir uns unter einer Plane verkriechen, um einigermaßen Schutz zu finden für die kommende Nacht, als ein Lastwagen mit großem Getöse auf der nahen Landstraße hielt. Ihm entstieg ein Oberleutnant der Wehrmacht. Jung, energisch, wohlgewachsen, an der Brust die Auszeichnungen für größte Tapferkeit. An der einen Hand waren einige Finger weggeschossen.

Der SS-Kommandant unseres Lagers war sofort bei ihm, und wir hörten die schneidige Stimme des Oberleutnants: "Befehl, die alten und fußkranken Geistlichen sollen im Lastwagen weggebracht werden." Eine Frage, offenbar nach dem Grunde des Wegbringens, wurde mit einem Achselzucken beantwortet. Wir deuteten dieses Achselzucken dahin, dass wir zur Exekution fortgebracht werden sollten. Wir stiegen also in den Lastwagen, der Offizier sprang auf, würdigte uns keines Blickes, und weg ging's in sausender Fahrt. Der Fahrer kam mir bekannt vor - ist das nicht - ein aus Dachau entlassener Geistlicher? Aber die Hoffnung schwand bald - das kann ja nicht sein. Wir fuhren und fuhren, und wir dachten alle das gleiche: Warum brauchen sie so lange? Warum fahren sie so weit? Zuletzt war uns alles gleich. Tod wird auf jeden Fall Erlösung bedeuten. Es war schon über 10 Uhr nachts, als man uns aussteigen hieß, mit freundlicher Stimme. Ist doch noch etwas wie Erbarmen in dem jungen Offizier? Mit letzter Kraft, fast wollten die Füße den Dienst versagen, erstiegen wir die Höhe, und o Wunder - es kamen uns schwarze Gestalten entgegen unter einem hellerleuchteten Portal, die uns umarmten, ans Herz drückten, die vor Rührung lachten und weinten. Wir waren im Jesuitenkloster in Pullach und der Offizier war ein Frater, der nach dem 20. Juli aus dem Heer ausgestoßen wurde.

Als ich vor sieben Jahren geschnappt und nach Dachau gebracht worden war, da betete ich jeden Tag zum heiligen Petrus, er möge doch auch uns einen Engel schicken, der uns heraushole aus der Gewalt unserer Feinde. Das Gebet wurde erhört. (Nach A.Weigl, Schutzengelerlebnisse 82 f.)