Die Engelerscheinung in Fátima (Teil 2)
September 2006
 
Im letzten Rundbrief betrachteten wir die erste Erscheinung des Engels in Fátima. Der Engel bereitete die Hirtenkinder auf die eigentliche Botschaft Mariens vor, indem er sie in das Gebet und Opfer einführte. Auch das zweite Erscheinen des Engels handelt von Gebet und Opfer. Es war an jener Stelle, deren Schönheit noch so lebendig in Lucias Erinnerung ist, an der eines Tages während der Zeit der Siesta der himmlische Bote zum zweiten Mal erschien.

Lucia berichtet: ‚Plötzlich sahen wir denselben Engel vor uns: «Was tut ihr? Betet! Betet viel! Die Herzen Jesu und Mariä haben mit euch Pläne der Barmherzigkeit vor. Bringt dem Allerhöchsten unaufhörlich Gebete und Opfer dar.» «Wie sollen wir Opfer bringen?», fragte ich. «Macht aus allem, was ihr könnt, ein Opfer zur Sühne für die Sünden, durch die Er beleidigt wird und als Bitte um die Bekehrung der Sünder. So werdet ihr den Frieden auf euer Vaterland herabziehen. Ich bin sein Schutzengel, der Engel Portugals. Vor allem nehmt die Leiden, die euch der Herr schicken wird, in Ergebung an und tragt sie geduldig.»’

Lucia erklärte dazu folgendes: ‚Diese Worte des Engels prägten sich in unseren Geist ein wie ein Licht, das uns erkennen ließ, wer GOTT ist, wie sehr Er uns liebt und von uns wiedergeliebt sein will. Wir erkannten den Wert des Opfers und wie es Ihm wohlgefällig ist; und wie Er um des Opfers willen Sünder bekehrt. Von dieser Zeit an begannen wir, dem Herrn alles aufzuopfern, was uns kränkte, doch suchten wir damals keine anderen Abtötungen oder Bußübungen, als stundenlang auf die Erde niedergeworfen das Gebet des Engels zu wiederholen.’

Diese Engelserscheinung ist ein eindrucksvolles Beispiel, wie uns die hl. Engel im geistlichen Leben helfen. Bei den Hirtenkindern ist diese Botschaft auf fruchtbaren Boden gefallen. Auch für uns sind aber die Ratschläge des Engels von Portugal beherzigenswert. Macht aus allem, was ihr könnt, ein Opfer zur Sühne für die Sünden. Das ist nicht zu viel verlangt. Unsere Kreuze, wie Krankheiten, Müdigkeit oder lästige Pflichten, müssen wir ohnehin tragen. Machen wir ein Opfer zur Sühne für die Sünden daraus, dann wird es leichter und außerdem können wir damit viel Gutes tun.

Zitate aus: J. de Marchi, Fatima von Anfang an, Missões Consolata, Fatima 1999, S. 60f