Die heiligen Engel in der heiligen Schrift - Teil 13
Dezember 2008
 
Die hl. Engel im Leben der jungen Kirche (2)
Der Katechismus der katholischen Kirche schreibt unter Nummer 333: „Die Engel sind es auch, die „evangelisieren“ (vgl. Lk 2,10)…“ Diese Tatsache kommt im Buch der Apostelgeschichte, die das Leben der jungen Kirche, der so genannten „Urkirche“ von Jerusalem und die Ausbreitung des Glaubens beschreibt, an einigen Stellen sehr schön zum Ausdruck. Die Engel spielen in der jungen Kirche eine ganz wichtige und entscheidende Rolle. Sie sind es, die die Apostel in ihrem Dienst schützen, begleiten, führen und leiten. So wollen wir uns in diesem Rundbrief die hl. Engel im Leben der jungen Kirche betrachten und wieder das Wort Gottes selbst hören.

Der Hauptmann Cornelius von Cäsarea
Im 10. Kapitel der Apostelgeschichte wird uns von Cornelius, dem Gottesgläubigen römischen Hauptmann berichtet, dem - obwohl er damals noch Heide war - eine Engelserscheinung zuteil geworden ist: «In Cäsarea lebte ein Mann namens Kornelius, Hauptmann in der so genannten ‚Italischen Kohorte’; er lebte mit seinem ganzen Haus fromm und gottesfürchtig, gab dem Volk reichlich Almosen und betete beständig zu Gott. Er sah um die neunte Tagesstunde in einer Vision deutlich, wie ein Engel Gottes bei ihm eintrat und zu ihm sagte: Kornelius! Kornelius blickte ihn an und fragte erschrocken: Was ist, Herr? Er sagte zu ihm: Deine Gebete und Almosen sind zu Gott gelangt, und er hat sich an sie erinnert. Schick jetzt einige Männer nach Joppe, und lass einen gewissen Simon herbeiholen, der den Beinamen Petrus hat. Er ist zu Gast bei einem Gerber namens Simon, der ein Haus am Meer hat.» (Apg 10, 1-7).

Das Gebet des Cornelius erscheint im Bericht der Apostelgeschichte als ein starkes Ergriffensein von der Macht und Größe Gottes. Das zeigt sich in jenem Anflug von Furcht und Schrecken beim Anblick des zu ihm sprechenden Engels und im Wort: «
Was ist, Herr?» Es zeigt sich auch in der Bereitwilligkeit und Schnelligkeit bei der Ausführung des Auftrags des Engels. «Simon (Petrus) wird dir sagen, was du tun sollst!» So sprach der Engel zum Hauptmann Cornelius (Apg 10,6 im lateinischen Text). Nicht der Engel selbst gab ihm Anweisungen, sondern er verwies auf Petrus, den ersten Papst. Er verwies sozusagen auf die kirchliche Autorität! Unweigerlich denken wir hier an das Wort des hl. Paulus, als er die Galater sehr scharf ermahnte: «Es gibt kein anderes Evangelium, es gibt nur einige Leute, die euch verwirren und die das Evangelium Christi verfälschen wollen. Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündigt, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht, auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel.» (Gal 1,7-8) Die Engel stehen nicht über sondern im Dienst der kirchlichen Autorität, weil der Herr sie selbst den Aposteln anvertraut hat!

Der mächtige und angesehene Hauptmann Cornelius gehorcht dem Engel. Er «
rief zwei seiner Sklaven und einen rechtschaffenen Soldaten seines Gefolges zu sich, und sandte sie nach Joppe» (Apg 10,7).

Nun wird in der Apostelgeschichte (10, 9-16) von jener Vision des Petrus erzählt, durch die er im Bild von den unreinen Tieren, die er essen soll, zur Weitherzigkeit und Weltweite erzogen werden sollte, um auch die vor dem mosaischen Gesetz als unrein geltenden Heiden in die Kirche aufzunehmen. Cornelius berichtet dem Petrus von der Engelserscheinung. Es folgt nun die Rede des Apostelfürsten, eine schlichte, sehr sachliche Predigt über das Christusereignis. «
Noch während Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten. Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde. Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen. Petrus aber sagte: Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben? Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen. Danach baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.» (Apg 10,44-48).

Bei der Bekehrung der ersten Heiden und ihrer Aufnahme in die Kirche bediente sich Gott also eines Engels
. Wer war dieser Engel, den der Hauptmann Cornelius als einen «Mann in weißem Gewande» dem hl. Petrus geschildert hat? War es etwa der Schutzengel des Cornelius? Wenn dem so ist, könnte man daraus schließen, dass also nicht nur die Getauften, sondern auch die noch Ungetauften, also alle Menschen, von Gott einen Engel an ihre Seite gestellt bekommen.

So lehren es jedenfalls einige Kirchenväter und Theologen wie der
hl. Hieronymus (+419, in seiner Erklärung zum Kapitel 18 des Matthäus-Evangeliums), dann Theodoret von Cyrus (+ 466), der hl. Anselm von Canterbury (in seinem «Elucidarium», Buch II, Kap. 28), der hl. Bernhard von Clairvaux (De consideratione, 4) und der hl. Thomas v. Aquin in seiner Summa Theologiae (I, qu. 113, a.4): «Wie den Menschen, die auf unsicheren Wegen wandeln, Beschützer beigegeben werden, so wird auch jedem Menschen, solange er im Pilgerstand (auf Erden ) ist, ein Schutzengel zugewiesen...»

Sicher hat der Hauptmann Cornelius nach seiner Taufe erst recht den Schutz, die Führung und Hilfe durch seinen Schutzengel erfahren. In den «
Apostolischen Konstitutionen», der größten kirchenrechtlich-liturgischen Sammlung der frühchristlichen Zeit, wird Cornelius als zweiter Bischof von Caesarea bezeichnet. Er wurde auch schon früh als Heiliger verehrt. Im Römischen Martyrologium ist sein Fest am 2. Februar, in den Griechischen Menologien auf den 13. September festgesetzt.

Der Diakon Philippus
Wie den beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus ist auch dem Diakon Philippus mehrmals die Gnade zuteil geworden, in sichtbarer Weise in seinem apostolischen Dienst von einem Engel unterstützt zu werden.

Philippus predigte in der Hauptstadt Samarias und verkündete dort Christus. Da erschien ihm ein Engel und sagte zu ihm:
«Steh auf und zieh nach Süden auf der Strasse, die von Jerusalem nach Gaza führt; sie führt durch eine einsame Gegend» (Apg 8,26). Philippus gehorchte sogleich der Weisung des Engels. Da kam es dann zur Begegnung mit dem äthiopischen Kämmerer und Hofbeamten der Königin Kandake, der in seinem Wagen sitzend die Hl. Schrift las.

«Und der Geist » - es ist wohl wieder der gleiche Engel - «sagte zu Philippus: ‚Geh und folge diesem Wagen.’ Philippus lief hin und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen. Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest? Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet? Und er bat den Philippus, einzusteigen und neben ihm Platz zu nehmen. Der Abschnitt der Schrift, den er las, lautete: Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; und wie ein Lamm, das verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf. In der Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. Seine Nachkommen, wer kann sie zählen? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen. Der Kämmerer wandte sich an Philippus und sagte: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet das? Von sich selbst oder von einem anderen? Da begann Philippus zu reden, und ausgehend von diesem Schriftwort verkündete er ihm das Evangelium von Jesus. Als sie nun weiterzogen, kamen sie zu einer Wasserstelle. Da sagte der Kämmerer: Hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg? [Einige Textzeugen fügen hinzu: Da sagte Philippus zu ihm: Wenn du aus ganzem Herzen glaubst, ist es möglich. Er antwortete: Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.] Er ließ den Wagen halten, und beide, Philippus und der Kämmerer, stiegen in das Wasser hinab, und er taufte ihn.» (Apg 8,29-39).

Nun griff der
Engel wieder ein und brachte den Philippus nach vollbrachter Sendung an dem äthiopischen Kämmerer wieder zurück nach Aschdod, damit er dort weiter das Evangelium verkünde. «Als sie (Philippus und der Äthiopier) aus dem Wasser stiegen, entführte der Geist des Herrn den Philippus. Der Kämmerer sah ihn nicht mehr, und er zog voll Freude weiter. Den Philippus aber sah man in Aschdod wieder. Und er wanderte durch alle Städte und verkündete das Evangelium, bis er nach Cäsarea kam.» (Apg 9,39-40).

Fügen wir diesem Bericht der Apostelgeschichte eine Überlegung an, die schon der hl. Johannes Chrysostomus in seiner 19. Homilie zur Apostelgeschichte angestellt hat mit den Worten:
«Seht da, wie auch die Engel aktiv mitwirken bei der Verkündigung des Evangeliums und mit welchem Eifer sie die Prediger dazu aufmuntern und sie unterstützen bei ihrem apostolischen Dienst, und zwar so, dass ein Diakon sogar von einem Engel gepackt und durch die Luft an einen anderen Ort versetzt wird.»