Die heiligen Engel in der heiligen Schrift Teil 15
Juni 2009

Die Offenbarung des hl. Johannes

Das Buch der Geheimen Offenbarung des Apostels Johannes ist das „Buch der Engel schlechthin“ in der hl. Schrift. Ein Professor hat einmal gesagt, wenn man die Apostelgeschichte eben Apostel­ge­schichte nennt, dann müsste man die Geheime Offenbarung des Johannes „Engelgeschichte“ nennen.

Durch einen Engel geoffenbart
Dem Apostel Johannes sind ja alle Offenbarungen und Visionen, die in diesem letzten Buch der Hl. Schrift aufgezeichnet sind, von Jesus Christus durch einen Engel mitgeteilt worden, wie die Überschrift zu diesem Buch (Offb 1,1) klar angibt: «Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gegeben hat, damit er seinen Knechten zeigt, was bald geschehen muss; und er hat es durch seinen Engel, den er sandte, seinem Knecht Johannes gezeigt.»

Gleich in der Einleitung wünscht Johannes im Gruß, den er den klein-asiatischen Gemeinden entbietet, Gnade und Friede, und zwar nicht nur im Namen Jesu Christi, sondern auch - was bisher völlig ungewohnt war in der Hl. Schrift - im Namen der «sieben Geister» vor dem Throne Gottes: «Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade sei mit euch und Friede von Ihm, der ist und der war und der kommt, und von den sieben Geistern vor seinem Thron...»
(Offb 1,4).

Johannes schaut dann Jesus Christus, der in seiner Rechten sieben Sterne hält. Der Herr selbst deutet ihm diese sieben Sterne: «Der geheimnisvolle Sinn der sieben Sterne, die du auf meiner rechten Hand gesehen hast, und der sieben goldenen Leuchter ist: Die sieben Sterne sind die Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden.»
(Offb 1,20).

Die Briefe an die sieben Gemeinden
Das 2. und 3. Kapitel besteht aus Briefen an die Engel von sieben Gemeinden, in denen der Apostel im Namen Gottes Ermahnungen und Weisungen ausspricht. An den Engel der Gemeinde in Ephesus schreibt er z.B. «Ich werfe dir vor, dass du deine erste Liebe verlassen hast.» (Offb 2,4). Geht es bei diesen «Engeln der sieben Gemeinden» nur um die Vorsteher, also um die Bischöfe der sieben kleinasiatischen Ortskirchen, oder geht es dabei um wirkliche Engel? Origenes (Homilia XIII in Lucam) sagte: jede Kirche werde von zwei Vorstehern (Wächtern) bewacht, von einem sichtbaren, dem Bischof, und von einem unsichtbaren, einem Engel, der dieser Ortskirche als Wächter und Beschützer von Gott zugewiesen ist. Johannes aber bezeichnet beide als Engel, weil sie eine ganz ähnliche Aufgabe haben, zu wachen über die Gläubigen der Kirche und ihnen die Frohbotschaft zu überbringen.

Der Kommentar zur Jerusalemer Bibel sagt ähnliches: «Nach jüdischer Vorstellung lenkten Engel nicht nur die materielle Welt, sondern auch die Personen und die Gemeinschaften. Jede Gemeinde, an die ein Brief gerichtet wird, wird also ... von einem Engel geleitet, der für sie verantwortlich ist.»
(Jerusalemer Bibel, Kommentar zu Offb 1, 20)

Die vier lebenden Wesen
Die vier lebenden Wesen aber, die Johannes in flutendem Glanz schaut und von denen bereits der Prophet Ezechiel gesprochen hat, werden vom Seher auf Patmos mit sechs Flügeln ausgestattet geschildert.

In dieser Gestalt schaute der Prophet Jesaja die Seraphim; und gleich den von Ezechiel geschauten Rädern sind diese sechsfach beflügelten Lebewesen innen und außen voll Augen. Diese vier Wesen fassen alle kennzeichnenden Merkmale der von den alttestamentlichen Propheten geschauten Engel um den Thron Gottes herum in sich zusammen.

Diese «vier Lebewesen ... ruhen nicht, bei Tag und Nacht, und rufen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung; Er war, und Er ist, und Er kommt.»
(Offb 4,8).

Das Buch und das Lamm
Eine weitere, dem hl. Johannes gewährte Vision, in der ein Engel eine Rolle spielt, ist die Vision vom versiegelten Buch (Offb 5,1-6): «Und ich sah auf der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, eine Buchrolle; sie war innen und außen beschrieben und mit sieben Siegeln versiegelt. Und ich sah: Ein gewaltiger Engel rief mit lauter Stimme: Wer ist würdig, die Buchrolle zu öffnen und ihre Siegel zu lösen? Aber niemand im Himmel, auf der Erde und unter der Erde konnte das Buch öffnen und es lesen.» (Offb 5, 1-3) Der mächtige Engel mit der überallhin hörbaren Stimme lädt die ganze Schöpfung ein, das versiegelte Buch zu öffnen. Die dramatische Frage des Engels hat nicht den Sinn, die Schöpfung ihre Ohnmacht fühlen zu lassen, sondern vielmehr die Heilsbedeutung des Lammes hervorzuheben. Dieses allein kann das versiegelte Buch öffnen.

Die Engel – die Kraftgewaltigen GOTTES
Die Engelsvisionen des Sehers auf Patmos gehen noch weiter: «Und ich sah: Ein anderer gewaltiger Engel kam aus dem Himmel herab; er war von einer Wolke umhüllt, und der Regenbogen stand über seinem Haupt. Sein Gesicht war wie die Sonne, und seine Beine waren wie Feuersäulen.» (Offb 10,1). Dieser gewaltige Engel, den Johannes schaute, hat manche Ähnlichkeit mit dem Menschensohn, der zum Weltgericht erscheint; auch er steigt in einer Wolke wie von einem Mantel umhüllt vom Himmel herab.

Im Zusammenhang mit der Schilderung dieses apokalyptischen Engels ist die Bemerkung angebracht, dass in diesem letzten Buch der Hl. Schrift wie in allen Büchern des Alten und Neuen Testamentes die Engel niemals verniedlicht werden zu «Engelein»; sie werden vielmehr immer als gewaltige Personen, als Boten der ewigen Heilsratschlüsse Gottes und als Mitvollstrecker des Weltgerichtes geschildert.

Kampf zwischen Gut und Böse
Johannes bekam dann in einer weiteren Vision auch die Aus­einandersetzung zwischen den guten und den rebellischen Engeln zu sehen: «Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten, und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.» (Offb 12,7-9).

Himmlische Liturgie
Gegen Ende schildert uns Johannes die übergroße himmlische Freude der Engel über die Hochzeit des Lammes, das eucharistisch zu deuten ist: «Danach hörte ich etwas wie den lauten Ruf einer großen Schar im Himmel: Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Macht ist bei unserm Gott.» (Offb 19,1).

Und weiter sprach er (der Engel, der Anführer des himmlischen Chores) zu mir: ,Schreibe: Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind!‘ Und er sagte zu mir: ,Diese Worte sind die wahrhaftigen Worte Gottes!‘ Da fiel ich ihm zu Füssen, um ihm zu huldigen. Er aber sprach zu mir: ,Nicht so! Auch ich bin nur Knecht zusammen mit dir und deinen Brüdern, die das Zeugnis Jesu haben. Gott bete an!‘»
(Offb 19,5-10).

Zusammenfassung
Vieles könnte man noch im einzelnen über die Engel in der Sicht des Sehers auf Patmos zu sagen. Klar geht jedenfalls aus allen Angaben der Apokalypse über die Engel hervor,

1. dass sie Geschöpfe Gottes sind wie wir Menschen,
2. dass sie aber uns Menschen weit überragen an Macht und Wissen, aber auch in den Aufgaben, die ihnen in der Schöpfungs- und Heilsgeschichte gestellt sind.
3. dass sie in ihren Diensten eng mit Christus verbunden sind, so sehr z.B., dass sie als die Augen und Hörner des Lammes dargestellt werden
(vgl. 5,6) um anzudeuten, dass Christus in und durch sie wirkt.

Ihre erste und wichtigste Aufgabe ist die Verherrlichung Gottes und die Erfüllung seines Willens, auch in den endzeitlichen Ereignissen. Ihre Zahl ist so groß, dass dabei unser menschliches Vorstellungsvermögen versagt. Ihre Größe ist so beeindruckend, dass wir Menschen vor ihnen in die Knie gezwungen werden. Sie aber sagen uns, dass nicht sie, sondern nur Gott anzubeten ist, dem allein alle Ehre und Verherrlichung gebührt.

Wenn die guten Engel, ihre Größe und Macht und ihre Aufgaben in der Apokalypse zweifellos deshalb geschildert werden, damit die Gläubigen erkennen, welch mächtige Freunde und Helfer ihnen im Kampf gegen die bösen Mächte und Gewalten zur Seite stehen, so werden umgekehrt auch diese mit dem Satan an der Spitze als die gefährlichsten und unversöhnlichsten Widersacher des Gottesreiches in der Apokalypse beschrieben; Satan, «der siebenköpfige Drache», ist durch das geschlachtete Lamm, d.h. durch den gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus, grundsätzlich schon entmachtet, er setzt aber in gefahrvollen „Nachhutgefechten“, wie es ein Theologieprofessor einmal ausdrückte, seinen Kampf gegen Chrstus und seine Kirche fort.

Trotz allen Aufwandes an roher Gewalt und an verschlagener List und trotz schwerer Schädigung der Kirche können aber diese feindlichen Mächte und Gewalten nichts ausrichten gegen den Willen Gottes. Am Tag des Gerichtes werden sie alle für immer ins Feuer der Hölle geworfen (vgl. Offb 20,10). Darin liegt die Zuversicht, die das letzte Buch der Hl. Schrift des Neuen Testaments den Gläubigen und der ganzen Kirche, besonders der Christen in der Verfolgung, vermitteln will und kann. Die Offenbarung des Johannes ist das große Buch der christlichen Hoffnung, das gemeinsame Siegeslied von Engel und Mensch, das Siegeslied der Kirche.