Das »Jahr Der Priester« im Opus Angelorum
März 2010

Teil 3: Die geistige Mutterschaft für die Priester

Es ist bekannt, wie sehr die selige Mutter Teresa das Priestertum geschätzt hat und wie sehr sie selbst und ihre Gemeinschaft sich in Gebet und Opfer für die Heiligung der Priester einsetzte. Nie kam ein Wort der Kritik über einen Priester über ihre Lippen, sondern immer zuerst die Frage: „Haben wir für diesen Priester schon gebetet?

In einem Brief an die Priester kommt diese Wertschätzung des Priestertums besonders schön zum Ausdruck. Mutter Teresa schreibt:

Überall wo wir hingehen, treffen wir auf Menschen mit demselben enormen Hunger nach Gott, einem Hunger, den nur ihr Priester stillen könnt, indem ihr ihnen Jesus schenkt. Sie erwarten, dass die Zärtlichkeit und Liebe Jesu durch euch in ihr Leben kommt. Sie brauchen euch, damit sie vom Wohlgeruch und dem Erbarmen Seiner Liebe berührt werden können. Jesus liebt seine Priester ungemein und will, dass sie an Heiligkeit zunehmen, indem sie ihr Priestertum in Fülle leben.
Beten wir darum, dass sich Maria unser annimmt, wie sie sich auch Jesus angenommen hat.
Gott segne Euch
Mutter Teresa, MC


Der Priester: ein zweiter Christus
Mutter Teresa sah in jedem Priester Christus selbst. Jeder Priester war für sie ein „alter Christus“ (lat.), ein „zweiter Christus“. Diese Einsicht gewann sie, da sie den Priester ganz auf Jesus Christus hin sah und Jesus Christus ganz in Hinblick auf die allerheiligste Dreifaltigkeit. So schreibt die selige Mutter Teresa:

Wir lesen in der Hl. Schrift, dass Gott die Welt so sehr liebte, dass er das Wort sprach und das Wort wurde Fleisch; und er kam und nahm unter uns Wohnung.
Und genau so ist heute der Priester derjenige, der gesandt ist, diese lebendige Liebe zu sein, diese Liebe Gottes für die heutige Welt.
Der Priester ist dieses Zeichen, er ist das lebendige Feuer, er ist der Sonnenstrahl von Gottes Liebe für die Welt, er ist die brennende Flamme, er ist die Hoffnung des immerwährenden Glückes. Will der Priester also ganz und gar dem Vater zur Verfügung stehen, muss er in seinem Leben, in seinen Einstellungen und in seinen Taten völlig eins sein mit dem Sohn und dem Hl. Geist, denn heute liebt Gott die Welt durch jeden Priester, der an Stelle von Jesus Christus selbst steht. Er ist ein zweiter Christus.


Damit der Priester diese Liebe leben kann, ja die Liebe Christi selbst weiterschenken kann, sei es durch die Spendung der Sakramente, durch die Verkündigung des Wortes Gottes oder durch sein ganz persönliches Leben und Zeugnis, durch seine Heiligkeit, braucht er Gebet. Deshalb hat Mutter Teresa immer wieder und bei so vielen Gelegenheiten zum Gebet für die Priester aufgerufen. Sie sagte zum Beispiel:

Beten wir viel für die Priester, denn wir brauchen heilige Priester. Desto heiliger die Priester sind, desto heiliger werden wir sein. Desto mehr werden die Familien in der Heiligkeit wachsen. Wenn die Familien ein heiliges Leben führen, werden wir auch viele heilige Priesterberufungen haben.

Ein Auftrag an die Bischöfe der ganzen Welt
Mutter Teresa erinnert hier an etwas, was in der Kirche immer gepflegt wurde, nämlich für die Priester zu beten, gemäß dem Auftrag des Herrn: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. (Lk 10,2) Am 8. Dezember 2007, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens, hat die Kon­gregation für den Klerus in Rom ein Schreiben an alle Bischöfe herausgegeben, das gerade im Jahr der Priester besonders aktuell ist und das Anliegen des Gebetes für die Priester aufgreift. Das Schreiben richtet sich direkt an alle Bischöfe, die gebeten werden, in Ihrem Verant­wortungsbereich, in den Diözesen, den Pfarreien und Ordens­gemeinschaften, »die Bil­dung regelrechter Zöna­kel [Gebets­kreise] zu fördern« (siehe oben) um gemeinsam für die Heili­gung der Priester zu beten.

Wie viel Segen und Gnade kann durch eine solche, von der ganzen Kirche getragenen Gebetsaktion für die Priester ausgehen! - und dadurch konsequenterweise für das ganze Volk Gottes! Denn, wenn wir heilige Priester haben, dann haben wir auch ein heiliges Volk Gottes. Wenn der Hirt aber seiner Hirtenpflicht nicht nachkommt, zerstreut sich die Herde und läuft ins Verderben. Wie viele Gläubige sind dankbar, wenn ihr Pfarrer die hl. Messe in ehrfürchtiger Weise feiert, genau nach den vorgeschriebenen liturgischen Texten und nicht nach selbst erfundenen und vielleicht sogar theologisch irrigen Gebeten. Wie dankbar sind die Gläubigen, wenn ihr Pfarrer noch regelmäßig Gelegenheit für das Sakrament der Beichte anbietet, wenn er die Volksfrömmigkeit fördert durch Anbetungsstunden, Prozessionen oder andere Formen christlicher Frömmigkeit. Und wenn er es nicht tut, dann haben die Gläubigen durch diese Gebetsaktion die Möglichkeit, ganz besonders für den eigenen Pfarrer zu beten, anstatt zu jammern, zu klagen oder zu kritisieren.

Geistliche Mutterschaft
Die Kongregation für den Klerus geht noch einen Schritt weiter – einen kühnen Schritt, der aber keineswegs neu ist. Es heißt im Dokument:
So wollen wir gottgeweihte Frauen ermutigen - nach dem Vorbild der Allerseligsten Jungfrau, der Mutter des Ewigen Hohenpriesters und Mitarbeiterin an Seinem Erlösungswerk - geistlicherweise Priester zu ‚adoptieren‘, um ihnen durch Selbstaufopferung, Gebet und Buße beizustehen. Wer anbetet, leistet auch stets einen Sühneakt für die eigenen Fehler. Unter den gegenwärtigen Umständen schlagen wir vor, eine besondere Meinung in diesem Sinne einzuschließen.

Das Dokument der Kleruskongregation – in Hinblick auf die geistliche Mutterschaft als Nachahmung der Jungfrau Maria – nennt hier ausdrücklich gottgeweihte Frauen. Das schließt aber die Laien keineswegs aus. Jeder ist eingeladen und gebeten, an dieser Gebetsinitiative teilzunehmen, sei es durch das persönliche Gebet „im stillen Kämmerlein“, sei es durch die Eucharistische Anbetung in Pfarren oder Ordensgemeinschaften oder auch dadurch, dass man einen Priester „geistigerweise“ adoptiert und besonders für ihn betet und opfert. Es geht hier um das Geheimnis der Stellvertretung. Oftmals dürfen die Priester erfahren und erleben, wie die Gnade Gottes wirkt, und dass sie viele Menschen durch die ihren Hirtendienst nur deshalb zu Gott führen können, weil für sie und ihre priesterliche Sendung gebetet wird.

Geistliche Adoption
Ganz in diesem Sinne forderte die selige Mutter Teresa die Schwestern ihrer Gemeinschaft auf, einen Priester „geistlich zu adoptieren“. Sie erklärte ihren Schwestern die Bedeutung der “geistlichen Adoption“ in einer stichwortartigen Niederschrift folgendermaßen:

Priester können von Schwestern adoptiert werden, jeweils ein Priester von einer Schwester.
Keine Korrespondenz sondern lediglich Gebet und Buße für den Priester, damit er heilig werden möge, so wie die kleine Blume (die heilige Theresia vom Kinde Jesu) für Priester gebetet hat.
Betet bitte für den Priester, den ich euch anvertraue. Konzentriert euch auf diesen Priester, bitte betet, bitte gedenkt seiner in der Heiligen Messe und legt ihn in den Kelch hinein.
Die heilige Theresia vom Kinde Jesu schreibt in ihrer Autobiografie: ‚Wenn nun heiligmäßige Priester, die Jesus im Evangelium ‚Das Salz der Erde‘ nennt, in ihrem Verhalten zeigen, dass sie der Fürbitte dringend bedürfen, was soll man da erst von den Lauen sagen? Hat Jesus nicht auch gesagt: ‚Wenn aber das Salz schal wird, womit soll man es würzen?‘
O meine Mutter! Wie schön ist doch die Berufung, die zum Ziel hat, das für die Seelen bestimmte Salz zu bewahren! Das ist ja die Berufung des Karmel, denn unsere Gebete und Opfer haben zum einzigen Ziel, Apostel der Apostel zu sein, für sie zu beten, während sie durch ihr Wort und vor allem ihr Beispiel [die Seelen für das Evangelium zu gewinnen]‘.


„Adoptieren“ Sie einen Priester
Es sind aber, wie gesagt, nicht nur die Gottgeweihten berufen, für die Priester zu beten, sondern jeder gläubige Christ kann einen Priester „geistlich adoptieren“. Dom Murilo Krieger, der Erzbischof von Florianópolis, Brasilien, bringt es in einem Hirtenbrief besonders gut zum Ausdruck, wenn er die Gläubigen seiner Diözese auffordert: “Adoptieren Sie einen Priester!“ Er gibt dazu folgende Hinweise:
„Aus der Zahl der Ihnen bekannten Priester, oder einfach derer, die der Kirche dienen:
• wählen Sie sich einen Priester aus und beginnen Sie täglich für Seine Heiligung zu beten;
• bringen Sie Opfer, damit er gut seinen Dienst vollziehen kann;
Wenn Sie das tun, antworten Sie der Kirche, die uns unablässig in Erinnerung ruft: ‚Das ganze Volk Gottes soll unermüdlich für Priesterberufungen beten und arbeiten.‘
(Johannes Paul II., Pastores dabo vobis, 82).

Ihre Antwort auf diesen Aufruf, einen bestimmten Priester zu ‚adoptieren‘, hat etwas ganz Besonderes: Sie beten nicht nur für den Klerus im Allgemeinen, sondern für einen Priester mit Namen und Gesicht, was Sie noch mehr in ihrem Gebet, Fasten und Opfern motivieren wird. Und seien sie versichert: Gemeinsam mit der Heiligung Ihres ‚adoptierten‘ Priesters wird der ganze Klerus geheiligt, die Ehre Gottes wird vermehrt und das Volk Gottes reich beschenkt.“